![]() Frau Baetge bei der Preisuebergabe in Kobe 1996 mit dem Jury-Vorsitzenden
Entstehung des Lotus-Ringes und Reiskorn-Ringes
Beim 24. Internationalen Perlenschmuck-Design-Wettbewerb erhielt ich in der Kategorie
Themen-Wettbewerb den 1. Preis. Die Vorgabe war ein botanisches Motiv. Es ist immer
schwer, die künstlerische Arbeitsweise und Intention zu beschreiben, zumal wenn es das
eigene Werk betrifft. Ich will es, weil ich darum gebeten worden bin, dennoch versuchen.
Meine Arbeitsweise basiert neben dem handwerklichen Können und der Erfahrung auf der Intuition.
Vielleicht ist der Begriff intuitives Denken treffender.
Es ist nicht so, daß ich bei einem Thema analytisch vorgehe, von A-Z plane,
sondern bei dem Schaffensprozeß sammele ich in meinem Kopf Eindrücke, es entstehen Assoziationen
und Bilder, die wie kleine Mosaiksteine am Schluß ein Bild ergeben. Ich möchte es Ihnen anhand
des Ringes mit der Lotusblüte erklären und damit konkretisieren.
Die Vorgabe war also ein botanisches Motiv, was mir entgegen kam, weil ich oft mit ungewöhnlichen
Materialien aus der Botanik arbeite. Beim Betrachten einer alten japanischen Teedose zu Hause
fiel mir die Lotusblüte auf. Dabei entstanden Assoziationen, wanderten die Gedanken, erinnerte
ich mich an Gespräche und Gelesenes über den Lotus.
Der Lotus spielt ja in den unterschiedlichsten Kulturen, Religionen eine bedeutende Rolle - ob nun
im alten Ägypten oder in Ostasien. Im Buddhismus wird im Lotus ein Symbol der entstehenden Erde
gesehen. In der buddhistischen Meditationslehre symbolisiert die Lotusblüte auch folgendes Bild:
Indem sie sich aus dem dunklen Sumpf des Wassers nach oben in das Tageslicht kämpft, um dort zu
erblühen, steht sie für den menschlichen Geist, der aus dunklen Tiefen nach Erleuchtung sucht,
um dann aufzugehen.
|
Mit diesem Hintergrund habe ich mich dann intuitiv beim Arbeiten treiben und von meinen "denkenden"
Händen führen lassen, das heißt die künstlerische Form entstand mit und nicht vor dem Arbeitsprozeß.
Der getrocknete Lotusstempel wurde von mir auseinandergetrennt und von innen ausgehöhlt, dann in
Wachs modelliert, gegossen und wieder zusammen-gesetzt, wobei das Zusammensetzen und das Einfügen
der Perlen am schwierigsten war.
Als Material wurden 585 GG und Akoja-Perlen verwendet; der Ring hat ein Gewicht von knapp 60 g.
In der Kategorie "Free-Style" im gleichen Wettbewerb errang ich mit dem Reiskorn-Ring den 5. Platz.
Während ich in der Kategorie Themen-Wettbewerb durch das festgelegte Motiv meine Kreativität freier
entfalten konnte, fiel mir hier die Arbeit schwerer. Da man alle Frei-heiten hatte, fühlte ich
mich paradoxerweise eingeengt. Irgendetwas zu machen, ist nichts besonderes. Eine Vorgabe stellt
die größere Herausforderung dar, und zwar deshalb, weil man sich durch kreatives Arbeiten frei
von der Vorgabe entfalten kann und trotzdem das Ziel erreichen muß. Ich wählte deshalb hier eine
sehr sachliche Form mit klarer Linie, die aber trotzdem eine gewisse Extravaganz verkörpert.
Als Material wurden 585 GG und 590 Pd sowie 1 Zuchtperle und 3 Cognac-Brillanten verwendet.
| |